Freunde von Sabeel Deutschland e.V.
Aktuelles
Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen beschoss in Trondheim ein Statement zum Israel - Palästina Konflikt und Friedensprozess
Erklärung zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt und zum Friedensprozess Er hat die trennende Mauer eingerissen, die dazwischen war, nämlich die Feindschaft zwischen uns. (Eph 2,14 Im   Jahr   2016   konzentriert   sich   der   Ökumenische   Pilgerweg   der    Gerechtigkeit   und   des   Friedens       auf   den   Nahen   Osten   -   den Geburtsort   einiger   der   frühesten   Zivilisationen   und   dreier   Weltreligionen:   Judentum,   Christentum   und   Islam   -   und   besonders   auf   Israel und   Palästina,   das   Land   der   Geburt,   des   Wirkens,   der   Kreuzigung   und Auferstehung   unseres   Herrn   Jesus   Christus.   Unser   lebendiger Glaube   hat   seine   Wurzeln   in   diesem   Land,   gehegt   und   genährt   durch   das   ungebrochene   Bekenntnis   der   lokalen   Kirchen,   die   ihre eigenen Wurzeln in der apostolischen Zeit haben. In   diesem   Jahr   sind   wir   aufgerufen,   gemeinsam   über   die   Situation   der   Kirchen   und   Gesellschaften   in   dieser   Region,   sowie   über   die bedrohte   Gegenwart   und   das   Zeugnis      der   Christen   im   gesamten   Nahen   und   Mittleren   Osten   und   über   die   lange   und   unerfüllte   Suche nach Frieden in Gerechtigkeit für Israelis und Palästinenser nachzudenken. Wir   sollten   auch   zur   Kenntnis   nehmen,   dass   nächstes   Jahr   -   2017   -   ein   schmerzhaftes   Jubiläum   ansteht:   Vor   50   Jahren   begann   die Besatzung Ostjerusalems, der Westbank, des Gazastreifens und der Golan Höhen durch den Staat Israel. Aus   der   Überzeugung   heraus,   dass   Kirchen   verpflichtet   sind,   zu   beten   und   für   ein   Ergebnis   einzutreten,   das   inmitten   unserer menschlichen   Unordnung   so   gerecht   wie   möglich   ist   und   zugleich   zu   erkennen,   dass   es   weder   Frieden   noch   Sicherheit   für   Israelis und   Palästinenser   geben   kann,   solange   die   grundlegende   Ungerechtigkeit   andauert,   hat   der   Ökumenische   Rat   der   Kirchen   (ÖRK) während dieser gesamten Zeit darauf hingearbeitet, eine dauerhafte Lösung zu fördern. Während   der   letzten   Jahrzehnte   sind   die   Normen   des   internationalen   Rechts   und   ihre Anwendung   auf   diese   Situation   -   bezüglich   der Durchführung    eines    bewaffneten    Konflikts,    des    Schutzes    der    Zivilbevölkerung,    der    Verantwortung    und    Auflagen    für    eine Besatzungsmacht,   friedlicher   Konfliktlösung,   Selbstbestimmung   und   Menschenrechten   -   routinemäßig   so   ignoriert   worden,   dass internationales Recht und internationale multilaterale Organisationen untergraben und geschwächt worden sind. Die   ökumenische   Bewegung   möchte   inmitten   von   Gewalt   und   Trennung   ein   Wort      der   Hoffnung,   des   Glaubens   und   der   Liebe anbieten    und    zu    Aktionen    für    Frieden    in    Gerechtigkeit        anregen    und    diese    unterstützen.    Der    ÖRK    hat    eine    konsequente hoffnungserfüllte Zielvorstellung beibehalten und sich im Gebet  für gleiche Gerechtigkeit  für Israelis wie für Palästinenser eingesetzt. Seit   zumindest   Mitte   der   siebziger   Jahre   des   vergangenen   Jahrhunderts   sind   solche   Hoffnungen   gewachsen   und   wieder   in   sich zusammengefallen, je nach den Geschicken des immer wieder unterbrochenen Friedensprozesses in der Region. Sie   steigerten   sich   mit   den Abkommen   von   Oslo   1993   /   1995,   die   Verhandlungen      über   eine   „Zwei-Staaten-Lösung“   in   Gang   setzten. Dem   ÖRK   lag   daran,   zu   diesen   Hoffnungen   und   der   Vision   zweier   Staaten,   die   Seite   an   Seite   in   Frieden,   Sicherheit   und   Wohlstand koexistieren,     zu     ermutigen,     damit     Israelis     und     Palästinenser     gleichermaßen     in     den     Genuss     von     Menschenwürde     und Menschenrechten kommen, auf die alle ein Anrecht haben. Der      ÖRK   unterstützt   gemeinsame   Friedensprojekte   und   den   Dialog   zwischen   beiden   Völkern   und   ihren   Regierungen.   Wir   nehmen mit   Trauer   das   erneute   Aufwallen   von   Konflikt   und   Gewalt   in   der   Region   zur   Kenntnis.   Die   andauernden   und   verstärkten   Muster   der Besatzung,    der    Bau    der    Trennungsmauer    in    weiten    Teilen    des    besetzten    Palästinas,    das    fortgesetzte    Errichten    israelischer Siedlungen   und   die   Rolle      israelischer   wie   auch   palästinensischer   Extremisten   haben   wiederholt   die   Hoffnungen   auf   einen   gerechten und dauerhaften Frieden durchkreuzt und vereitelt. Der   ÖRK   ist   schon   seit   1948,   als   der   israelische   Staat   geschaffen   und   der   ÖRK   formell   gegründet   wurden,   an   den   Bemühungen   um einen   israelisch-palästinensischen   Frieden   beteiligt.   Selbst   vor   1948   bemühte   sich   der   im   Entstehen   begriffene   ÖRK,   für   europäische Juden   einen   sicheren   Zufluchtsort   zu   finden,   weit   weg   von   den   nazibesetzten   Gebieten   in   Europa.   Er   half   auch   palästinensischen Flüchtlingen, die gezwungen waren, ihr angestammtes Land zu verlassen. Der   ÖRK   hat   immer   wieder   den   Einsatz   von   Gewalt   und   die Terrorakte   verurteilt,   unabhängig   davon,   ob   sie   vom   Staat   Israel   oder   von palästinensischen   Gruppen   oder   Individuen   durchgeführt   wurden.   Ein   gerechter   und   nachhaltiger   Frieden   kann   nicht   durch   Gewalt gesichert   werden,   die   nur   noch   mehr   Gewalt   hervorruft.   In   Wort   und   Tat   hat   der   ÖRK   unermüdlich   den   Dialog   und   Verhandlungen   als Grundlage   für   den   einzig   gangbaren   Weg   einer   gemeinsamen   Pilgerfahrt   zu   Gerechtigkeit   und   Frieden   in   Israel-Palästina   und   in   der ganzen Welt gefördert. Als Antwort   auf   die   Realität      nicht   umgesetzter      Friedenspläne   und   UN-Resolutionen   hat   der   ÖRK   viele   Erklärungen   abgegeben   und mehrere    konkrete    Handlungs-vorschläge    gemacht.    2002    gründete    der    ÖRK    das    Ökumenische    Begleitprogramm    in    Israel    und Palästina    (EAPPI),    um    durch    aktive    Präsenz    in    den    besetzten    palästinensischen    Gebieten    ein    konkretes    Zeugnis    christlicher Solidarität zu geben.  Der   „Aufruf   von Amman“   (der   2007   von   einer   internationalen   ÖRK   -   Konferenz   "Kirchen   gemeinsam   für   Frieden   und   Gerechtigkeit   im Nahen   Osten"   beschlossen   wurde),   brachte   das   Ökumenische   Forum   Palästina   Israel   (PIEF)   auf   den   Weg   als   ein   Instrument,   um „neue   kirchliche   Fürsprache   zu   katalysieren   und   zu   koordinieren   .   .   .   für   Frieden   und   Gerechtigkeit,   die   allen   Menschen   der   Region dient“ . Trotz   des   Drucks   der   Verzweiflung,   der   Provokation   und   Anstiftung   zur   Gewalt   hat   der   ÖRK   sich   bemüht,   Palästinenser   und palästinensische   Gemeinden,   Mitgliedskirchen   und   Partner   auf   der   ganzen   Welt   im   Widerstand   gegen   die   Besatzung   zu   unterstützen und   zu   begleiten,   einschließlich   wirtschaftlicher   Maßnahmen   wie   des   Abzugs   von   Investitionen   von   Firmen,   die   von   der   Besatzung profitieren,   und   durch      den   Boykott   von   Waren,   die   in   den   illegalen   Siedlungen   auf   besetztem   Gebiet   produziert   wurden.   Solche Aktionen   wollen   die   Sache   eines   gerechten   Friedens   in   Israel   und   Palästina   durch   aktive   gewaltfreie   Mittel   nach   im   Glauben wurzelnden Kriterien voran bringen.  Mit   dem   Zusammenbruch   der   von   den   USA   geführten   Friedensbemühungen   im   Jahr   2014   kann   der   mit   dem   Osloer   Abkommen 1993/1995    begonnene    Friedensprozess,    als    weitgehend    als    gescheitert    angesehen    werden.    Der    politische    Wille    und    das Engagement   der   internationalen   Gemeinschaft,   die   Umsetzung   einer   Zwei-Staaten-Lösung   für   Israel   und   Palästina   mit   neuem   Leben zu erfüllen, ist angesichts der geschaffenen Fakten vor Ort, die sich als nicht lebensfähig erwiesen, geschwunden. Währenddessen   scheint   die   politische   Landschaft   in   Israel   Kompromissen,   die   für   einen   gerechten   Frieden   nötig   wären,   immer weniger    zugänglich    zu    sein.    Neue    Initiativen    wurden    vorgeschlagen,    um    den    im    Sterben    liegenden    Friedensprozess    wieder aufzunehmen,   darunter      eine   internationale   Konferenz   vor Ablauf   des   Jahres   2016. Aber   die   Hoffnungen   und   Erwartungen   an   solche politischen Initiativen sind äußerst gering. Der   ÖRK   selbst      war   erst   kürzlich   aggressiven   Haltungen   und   Taten   seitens   der   Behörden   des   Staates   Israel   ausgesetzt.   Mehrere Mitarbeiter   des   ÖRK   sowie   Vertreter   von   Mitgliedskirchen   und   Partnerorganisationen,   die   nach   Israel   einreisen   wollten,   erlebten außergewöhnlich   aggressive,   einschüchternde   und   missbräuchliche   Befragungen   und   Behandlung,   bis   hin   zu   drei   Tagen   Arrest   und Deportation. Das   Ende   der   Hoffnung   ist   keine   Grundlage   für   Frieden,   schon   gar   nicht   für   einen   gerechten   Frieden.   Sie   ist   vielmehr   gefährlich   und Nährboden   für   verzweifelte   und   gewaltsame   Aktionen   und   Wind   auf   die   Mühlen   des   Extremismus,   unter   dem   der   Nahe   und   Mittlere Osten    derzeit    leidet.    Die    andauernde    und    sich    ausweitende    Besatzung    zerstört    und    zersetzt    die    moralischen    und    politischen Fähigkeiten   der   Israelis      und   der   Palästinenser.      Wenn   der   Konflikt   nicht   in   eine   gerechte,   dauerhafte   Lösung   überführt   wird,   werden weiterhin    Menschen    leiden    und    sterben.    Ihre    Menschenwürde    wird    herabgesetzt    und    internationales    Recht    und    internationale Institutionen werden weiter delegitimiert  werden.  Der Zentralausschuss des ÖRK, der sich mit diesen Sorgen befasste und vom 22. bis 26. Juni 2016 in Trondheim, Norwegen, tagte: 1 . ruft   die   israelischen   und   palästinensischen   Führer   auf ,   aktiv   und   umgehend   die   Umsetzung   einer   gerechten, lebensfähigen   und   nachhaltigen   Konflikt-lösung   anzustreben,   indem   sie   einen   politischen   Horizont   für   ein   Ende   der Besatzung    und    für    einen    gerechten    und    für    Israelis    und    Palästinenser    gleichermaßen    nachhaltigen    Frieden schaffen. 2 . drängt     alle    Mitglieder    der    internationalen    Gemeinschaft    -    insbesondere    das    Quartett    (UN,    EU,    USA    und    die Russische   Föderation)   -   aktive,   entschlossene   und      anhaltende      Anstrengungen   wieder   aufzunehmen,   die   helfen, eben diesen politischen Horizont für Frieden und Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern zu errichten. 3 . ruft   die   Mitgliedskirchen   des   ÖRK,   Sonderdienste   und   ökumenische   Partner   auf ,   aktiver   zu   handeln   und   mit lauterer   Stimme   der   Verzweiflung   entgegen   zu   wirken   und   Hoffnung   wieder   aufzubauen,   insbesondere   dadurch, dass   das   Zeugnis   ortsansässiger   Christen   und   lokaler   christlicher   Kirchen   und   Mitglieds-kirchen   in   Israel   und Palästina unterstützt und gefördert  wird, indem sie d ) den   Stimmen   palästinensischer   Christen   (einschließlich   der   im   'Kairos-Palästina'   Dokument   ausgedrückten) zuhören und  zu antworten; e ) aktive   Schritte   unternehmen,   um   eine   dauerhafte   und   starke   einheimische   christliche   Präsenz   im   Heiligen   Land zu ermöglichen; f ) alle    gewaltfreien    Bemühungen    um    ein    Ende    der    Besatzung        fördern    und    unterstützen    (einschließlich    der Berücksichtigung angemessener wirtschaftlicher und anderer Maßnahmen)  und g ) den   interreligiösen   Dialog   und   die   Kooperation   mit   jüdischen   und   muslimischen   Partnern   auf   dem   Pilgerweg   zu Gerechtigkeit und Frieden intensivieren. 1 . fordert   zu   erneutem   und   verdoppeltem   Engagement   auf    mit   der   Vision   eines   gerechten   Friedens   für   Palästinenser und   Israelis,   wo      alle   mit   Gerechtigkeit,   gleichen   Rechten,   Würde   und   Sicherheit,   bei   starker   kirchlicher   Beteiligung durch     das     Ökumenische     Begleitprogramm     Palästina     Israel     (EAPPI)     leben     können.     Dieser     gemeinsame ökumenische   Begleitungs-   und   Zeugendienst      für   Frieden   in   der   Region   wird   von   den   Mitgliedskirchen   des   ÖRK und durch das Ökumenische Forum Palästina Israel (PIEF) verantwortet. 2 . ruft    die   Mitgliedskirchen   des   ÖRK,   besondere   Dienste   und   ökumenische   Partner   auf,   die   Gefahr   des   Missbrauchs     biblischer   Texte   zu   erkennen,   mit   denen   die   Besatzung   gerechtfertigt   werden   soll,   und   den   christlichen   Zionismus als    eine    Form    des    christlichen    Fundamentalismus    wahrzunehmen,    der    besonders    einheimische    christliche palästinensische Gemeinden gefährdet. 3 . bringt     seine    Besorgnis    zum   Ausdruck    hinsichtlich    weltweiter   Anstrengungen    gesetzgebender    Körperschaften, Aufrufe   zu   gewaltfreiem   Widerstand   gegen   illegale   Besatzung   zum   Schweigen   zu   bringen.   Er   wiederholt   vielmehr seine   Unterstützung   für   Meinungsfreiheit   in   allen   Zusammenhängen   und   für   gewaltfreie   Mittel   zur   Umwandlung   von Konflikten. 4 . empfiehlt ,   dass   der   ÖRK   für   2017   eine   internationale   ökumenische   Konferenz   einberuft,   um   des   50.   Jahrestages der   Besatzung   von   Ostjerusalem,   der   Westbank,   des   Gazastreifens   und   der   Golanhöhen   zu   gedenken.   Darüber hinaus   soll   an   den   100.   Jahrestag   der   Balfour-Erklärung   und   den   zehnten   Jahrestag   des   "Aufrufs   von   Amman"     erinnert   werden.   Mit   dieser   Konferenz   soll   das   ökumenische   Zeugnis   für   Frieden   mit   Gerechtigkeit   für   Israelis   und Palästinenser bekräftigt und gestärkt werden. 5 . unterstützt   Kirchenführer   in   ihrer   schwierigen   Rolle,   die   christliche   Präsenz   im   Nahen   und   Mittleren   Osten,   der Wiege des Christentums, aufrecht zu erhalten und zu stärken. *Erklärung   des   Zentralausschusses   des   Oekumenischen   Rates   der   Kirchen   (ÖRK)   am   28.   Juni   2016   anlässlich   seiner   Sitzung   in Trondheim/Norwegen Übersetzung : Gisela Siebourg, Dorothea Dilschneider